












Höhenlage und Glocknernähe, mit dem alpinen Urland verbundene, in Jahrhunderten geprägte Kulturlandschaft, ein eigenständiger alpiner Menschenschlag, als Kalser Bergführer eine Legende, haben Kals zur bekannten Glocknergemeinde gemacht.
Vom Iseltal, das die Tiroler Seite der Hohen Tauern zur Drau entwässert, durch eine Talstufe abgehoben und eine Klamm getrennt, liegt die eiszeitlich geformte Talsohle in 1.325 Meter Seehöhe dem Tauernfürsten zu Füßen. Milder geformte Seitenkämme schützen die Siedlung vor dem kalten Tauernwind. Mit dem geringen Jahreswert von 4.8 Zehntel Wolkendecke und 852 mm Niederschlag zählt Kals zu den sonnigsten Gemeinden Österreichs, mit würziger Luft und viel Sommerhelligkeit.
Boden und Witterung gaben bei viel Bauernfleiß nur das Lebensnotwendige für Ernährung, Bekleidung und Behausung einer sich selbst versorgenden Berglandwirtschaft in Generationenfolge. Überlebensnotwendig in dieser statisch bergbäuerlichen Gesellschaft war die dörfliche Solidarität, auch in einem lebendigen Brauchtum gelebt.
Die Abgaben an die Grundherrschaft lasteten schwer auf dem übervölkerten Tal. Erst die Bauernbefreiung 1848 und der aufkommende Glocknertourismus nach 1850 auf der Kalser Glocknerseite, Erstersteigung 1853, brachten die wirtschaftliche Wende. Sie ist eng mit dem “Glocknerherrn” Johann Stüdl verbunden. Neben dem Kuraten Franz Senn in Vent hat der Prager Großkaufmann Stüdl in Kals ein Modell für den ostalpenweiten Bergtourismus geschaffen. Es umfasst die naturkundliche und touristische Erkundung der Glocknergruppe, die Erschließung der Kalser Glocknerseite mit Talgasthöfen, dem Bau von Wegen und Hütten, so der Stüdlhütte auf der Fanetscharte und der Erzherzog Johann Hütte auf der Adlersruhe. Dazu kam richtungsweisend die Ausbildung und Organisation der Bergführer, eingebunden in den von Stüdl mitbegründeten Alpenverein.
Kalser Bauernsöhne dankten es ihm mit ihren hervorragenden Führer-leistungen und ihrem bald legendären Ruf. Der Tourismussegen mit vermehrtem Einkommen und erhöhter Bildung hatte auch Einfluss auf das Verhalten der Bevölkerung in der weiteren Gemeindeentwicklung. Zum Unterschied von anderen Iseltaler Berggemeinden zeigte sich der Kalser besonders innovationsfreudig, beruflich einfallsreich, technisch geschickt und zukunftsmutig. Damit ist Kals besser als andere Gemeinden durch die wirtschaftlich schweren 1920er- und 1930er-, die Kriegs- und Nachkriegsjahre gekommen.
Die fortschrittliche Entwicklung erfährt durch das Megaprojekt eines Osttiroler Wasserkraftwerkbaues einen folgenschweren Stop. So sollte das Kalser Dorfertal durch die Zuleitung aller Gletscherbäche der Venediger-Südseite in einem gewaltigen Stausee unter Wasser gesetzt werden. Vollmundige Versprechungen der Werkbetreiber spalteten die Bevölkerung in den betroffenen Gemeinden. In Kals sahen sich die Bauern, die ihre Almen im Dorfertal verlieren sollten, existentiell bedroht und unterstützten den Widerstand des Alpenvereins. Er kam vor allem von Seiten der Kalser Bäuerinnen, hatte wesentlichen Anteil an der Verzögerung des Baubeginns und damit an der Verhinderung des Kraftwerkes. 1992 erfolgte endlich die Einbringung des Tiroler Anteils in den Nationalpark Hohe Tauern. Als führende Nationalparkgemeinde unter dem bis heute unvergessenen Bürgermeister, Josef Bergerweiß, und dem jungen Nachfolger, Klaus Unterweger, bemühte sich Kals, die neuen Chancen wahrzunehmen. An die vom Alpenverein initiierten Stüdlgespräche anschließend erstellte die Gemeindeführung unter Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen ein Gemeinde- und Tourismusleitbild.
Sieben Arbeitsgruppen legten die Leitlinien für die erforderlichen Strukturmaßnahmen zur Sicherung der Wirtschaftskraft und der Lebensqualität fest. Kulturlandschaftspflege, Förderung des Kunsthandwerks und der Jungunternehmer, Qualitätstourismus mit dem Bergerlebnis Großglockner und eine maßvolle Wintererschließung zur Gewinnung neuer Arbeitsplätze waren Schwerpunkte.